Kapitel 2: Die Geburt des Hybrid-Optischen-Suchers.

1Eine Inspiration: Die Rückkehr des hochwertigen optischen Suchers in einer digitalen Kamera.

  • Als die Ingenieure darüber diskutierten, welche Ausstattung in der X100 verwirklicht werden sollte, neben der Forderung nach einem außergewöhnlichen Objektiv, war vor allem ein Wunsch ganz oben: Die Rückkehr zu dem fundamentalen Erlebnis, mit einer großartigen Kamera zu fotografieren, das Vergnügen, durch einen hochwertigen optischen Sucher zu schauen.
  • In den letzten Jahren sind Fotografen dazu übergegangen, den Bildausschnitt auf dem LCD auf der Rückseite ihrer Digitalkamera zu wählen. Jedoch kann der Monitor bei Sonnenlicht schwer ablesbar sein und diejenigen, die schon lange mit Kameras vertraut sind, stellten die Frage ob nicht auch Anwender von Digitalkameras gern wieder die Vorzüge eines extrem hellen optischen Suchers genießen würden.

2Realbildsucher¹ versus Invers Galileischer Sucher²

  • Optische Sucher können grob in zwei Kategorien unterteilt werden. Eine Gruppe sind Realbildsucher, die in vielen konventionellen Kompaktkameras zu finden sind und den Vorteil haben, dass sie mit Zoomobjektiven kompatibel und sich leicht in kompakter Bauform realisieren lassen. Der zweite Ansatz ist ein Invers-Galileischer-Sucher, der eine gewisse Baugröße erfordert aber ein überaus klares Bild liefert. Ein solcher Sucher findet sich zum Beispiel in Mittelformat Kameras wie der FUJIFILM GA645 und GF670.
  • Nachdem beide Ansätze für die X100 geprüft wurden, war der Realbildsucher mit seinen vielen optischen Elementen als Option verworfen. Die einfache Struktur und exzellente Abbildungsleistung eines Invers-Galileischen-Suchers würde den Erwartungen anspruchsvoller Fotografen besser gerecht werden, die das Erlebnis mit einem optischen Sucher zu fotografieren kennen und genießen. Mit dieser Entscheidung bestand die nächste Herausforderung darin, den Sucher so kompakt wie möglich zu gestalten.

¹ 'Realbildsucher' Ansatz: Eine konvexe Form wird sowohl für Objektiv als auch für Okular verwendet. Weil bei dieser Grundkonfiguration das Bild im Sucher gedreht erscheint muss ein Prisma oder anderes korrigierendes Element eingebaut werden um ein aufrechtes Abbild des Motivs im Sucher zu zeigen. Dieser Ansatz ist sehr einfach in kompakter Bauformen umzusetzen und auf verschiedene Zoomanwendungen zu adaptieren. Die Vielzahl der optischen Elemente führt jedoch zu einem Verlust an Bildqualität.

² 'Invers Galileischer Sucher': Der Aufbau entspricht der umgekehrten Anordnung der Teleskopelemente wie ursprünglich von Galileo Galilei verwendet (Kombination aus konvexen und konkaven Elementen). Die Bauweise mit konkaver Linse auf Objektseite und konvexer Form beim Okular ist hervorragend für Weitwinkel geeignet. Der einfache Aufbau dieses Suchers sorgt für ein besonders helles und detailgetreues Bild.

3Die Rahmeneinblendung: Albada versus Lichtfenster

  • Der Leuchtrahmen ist die entscheidende Orientierung um den Bildausschnitt im Sucher zu wählen. Es existieren zwei grundlegende Ansätze um diesen sichtbar zu machen: Der Albada Ansatz, bei dem der Rahmen direkt auf ein Glaselement im Sucher geätzt oder beschichtet wird oder die Variante des zusätzlichen Lichtfensters welche den Rahmen mittels Durchleuchtung eines weiteren Fensters sichtbar macht. Zwar besticht der Albada Ansatz durch seine Einfachheit und kompakte Bauform, dennoch ist die zweite Variante besser und wurde von den Ingenieuren für die X100 gewählt aufgrund der Parallaxe bei Nahaufnahmen und der guten Sichtbarkeit wie auch Schönheit des Rahmens selbst.

4Suchervergrößerung "0,5-fach": Ein wichtige Anforderung, an der keine Abstriche gemacht werden.

  • Die Suchervergrößerung bezeichnet die scheinbare Größe des Motivs wenn es durch den Sucher gesehen wird im Vergleich zum betrachten mit bloßem Auge. Je kleiner dieser Faktor, desto kleiner und weiter entfernt erscheint das Motiv im Sucher. Die Reduzierung der Suchervergrößerung ist ein einfacher Weg, die gesamte Konstruktion des Suchers kompakter zu gestalten. Jedoch wird das wichtigste Objekt, das Motiv selbst dadurch kleiner und schwerer zu erkennen der Spaß am fotografieren leidet, wenn die Detailtreue des Suchers reduziert wird.
  • Eine Suchervergrößerung von 0,5 gilt als ideal für Brennweiten von 35mm Kleinbildäquivalent. Die Herausforderung der sich unsere Ingenieure gegenüber sahen, war den Sucher so klein wie möglich zu konstruieren, und dabei genau diese Vergrößerung beizubehalten.

5Prisma und Linse: Die Schlüssel zu kompakter Bauform und optischer Leistung.

  • Das Prisma ist das Schlüsselelement um die kompakten Abmessungen zu erreichen. In der Bauform eines Leuchtfenster Leuchtrahmens wird aus Kostengründen normalerweise ein flacher Spiegel eingesetzt um den Rahmen des Lichtfensters zu reflektieren. In der X100 allerdings wird ein Prisma verwendet was ein kompakteres Design ermöglicht. Wie bei der GF670 ist die reflektierende Schicht zwischen zwei Prismen eingebettet, was für einen signifikant höheren Reflektionsgrad sorgt. Im Ergebnis ist der Lichtweg im Vergleich zu einem Spiegelsystem um 2/3 verkürzt.
  • Zusätzlich zum puristischen Aufbau des Suchersystems, welches im Kern aus zwei sphärischen Linsen besteht, trägt die Verwendung von Glas mit hohem Brechungsindex zur Kompaktheit und Einfachheit bei. Außerdem sind wie auch beim Objektiv der X100 die Linsen des Suchers mit FUJIFILMs eigener Super EBC Beschichtung versehen. So werden Geisterbilder selbst bei starkem Gegenlicht verhindert und eine besonders klare Sicht erreicht.
  • Durch die Wahl eines relativ hohen Augenpunkts, mit einem Abstand zwischen Okular und Auge von etwa 15mm, wird das komfortable natürliche Sehen selbst für Brillenträger erleichtert.